Accessibility Audits
Produkte gegen WCAG 2.2 und BITV 2.0 prüfen, mit dokumentierten Befunden für die Übergabe an Design und Entwicklung – fundiert durch jahrelange Arbeit an Produkten im öffentlichen Sektor und in Enterprise-Kontexten.
Was ein Accessibility Audit bedeutet
Ein Accessibility Audit ist eine strukturierte Prüfung eines digitalen Produkts gegen etablierte Barrierefreiheits-Standards – primär WCAG 2.2 (Web Content Accessibility Guidelines, der aktuelle internationale Standard) und BITV 2.0 (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, die deutsche Regelung für Produkte des öffentlichen Sektors). Er identifiziert Barrieren, die Menschen mit Behinderungen daran hindern, das Produkt effektiv zu nutzen.
Es geht nicht nur um Compliance. Laut WHO leben 16 Prozent der Menschen weltweit mit einer Behinderung – und ein weiterer signifikanter Anteil erlebt situative Einschränkungen: laute Umgebungen, Mobilgeräte in Sonnenlicht, vorübergehende Verletzungen. Accessibility-Arbeit macht Produkte für mehr Menschen in mehr Situationen nutzbar.
Accessibility Audits werden für Web-Anwendungen, mobile Apps und Enterprise-Software durchgeführt, mit besonderer Tiefe im öffentlichen Sektor und in digitaler Identität, wo Compliance gesetzlich vorgeschrieben ist.
Barrierefreiheit ist seit 2025 auch für Unternehmen Pflicht
Lange galt Barrierefreiheit in Deutschland vor allem als Thema für Behörden. Das hat sich am 28. Juni 2025 geändert, denn seitdem gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act. Es verpflichtet auch private Unternehmen, bestimmte digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei anzubieten.
Betroffen sind unter anderem Onlineshops und andere Angebote im elektronischen Geschäftsverkehr, Online-Banking, Telekommunikationsdienste, E-Books sowie Websites und Apps für Ticketing und Personenbeförderung. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz, allerdings nur bei Dienstleistungen. Technisch führt das BFSG über die Norm EN 301 549 zu den WCAG, also zu denselben Kriterien, gegen die ich prüfe.
Viele Teams standen bisher nicht unter Barrierefreiheits-Druck und wissen deshalb nicht, wo ihr Produkt steht. Ein Audit ist in dieser Lage meist der sinnvollste erste Schritt, weil er zeigt, welche Barrieren zuerst wegmüssen und was sich mit überschaubarem Aufwand beheben lässt.
Wann ein Accessibility Audit passt
- Ein Produkt muss vor Launch, Vertrag oder Release WCAG 2.2 oder BITV 2.0 erfüllen
- Ein Onlineshop, eine Banking-App oder ein anderes Angebot für Verbraucher:innen fällt unter das BFSG
- Ein Redesign ist geplant und der aktuelle Barrierefreiheits-Stand muss dokumentiert werden
- Ein Kunde oder Käufer (oft in Enterprise- oder öffentlichen Beschaffungen) verlangt eine Accessibility-Zertifizierung
- Das Team will verstehen, wo das Produkt Nutzer:innen mit Behinderungen ausschließt und wie das zu fixen ist
- Vor formaler Konformitätsprüfung durch eine zertifizierte Stelle ist ein Pre-Check nötig
- Ein bestehendes Produkt skaliert in Märkte mit strengeren Anforderungen (EU, öffentlicher Sektor, regulierte Branchen)
Was enthalten ist
- Executive Summary mit Schweregrad-Übersicht und Top-Prioritäten
- Detaillierte Befunde, sortiert nach WCAG-Erfolgskriterium oder BITV-Anforderung
- Screenshots mit Annotationen, die konkrete Barrieren markieren
- Schweregrad-Einstufung (A, AA, AAA für WCAG; entsprechende Stufen für BITV)
- Empfohlene Fixes mit Hinweisen zur Umsetzung
- Konformitäts-Übersicht (konform, teilweise konform, nicht konform) pro Kriterium
- Optional: Walkthrough-Meeting mit Design- und Entwicklungsteam
Wie der Prozess abläuft
Ein typisches Accessibility Audit läuft über zwei Wochen:
- Scoping-Gespräch (ein bis zwei Stunden): Klärung des Produkts, der anzuwendenden Standards (WCAG 2.2 AA ist Default und deckt die rechtlich geforderte 2.1 mit ab; BITV 2.0 für den öffentlichen Sektor) und des Audit-Umfangs.
- Automatisierte Checks (ein Tag): mit Accessibility-Testing-Tools (axe, WAVE, Lighthouse) die automatisch erkennbaren Probleme aufdecken.
- Manuelle Prüfung (drei bis fünf Tage): die Hauptarbeit – Bewertung gegen WCAG-Kriterien, die nicht automatisch getestet werden können. Hier zählt Erfahrung.
- Assistive-Technologie-Tests (ein bis zwei Tage): Tests mit Screenreadern (NVDA, JAWS, VoiceOver), Tastaturnavigation und anderen assistiven Werkzeugen.
- Synthese und Priorisierung (zwei bis drei Tage): Befunde ausgearbeitet, priorisiert, für Übergabe formatiert.
Für größere Produkte sind drei bis vier Wochen realistisch. Für fokussierte Audits auf bestimmte Flows kann eine Woche reichen.