KI-augmentierte UX-Workflows
Agenten, Large Language Models und Prototypen im Code als fester Teil des Designprozesses, von der Recherche über den Audit bis zum lauffähigen Prototyp, mit mehr als zwanzig Jahren UX-Erfahrung als Maßstab dafür, was davon trägt.
Was das tatsächlich bedeutet
Für die ELSTER-Case-Study hat ein Agent die Umsatzsteuer-Voranmeldung selbstständig durchgeklickt und dabei 21 Befunde dokumentiert. Für die Duft-Visualisierung hat ein anderer 349 Parfumprofile aus öffentlichen Quellen gesammelt und normalisiert. Die Kriterien und Regeln habe ich jeweils vorher festgelegt, und ob ein Ergebnis trägt, entscheide ich am Ende selbst.
So sieht KI in meiner Arbeit heute aus. Sie übernimmt ganze Arbeitsschritte, vom Recherchieren und Prüfen bis zum Dokumentieren und zum Bau von Prototypen. Dadurch verschiebt sich meine Rolle, denn ich lege fest, wonach gesucht wird, setze die Leitplanken und beurteile, was dabei herauskommt.
Grundlage ist eine praktische Ausbildung in KI, Daten und Coding, also Large Language Models, Python, API-Integration und Datenpipelines, kombiniert mit zwei Jahrzehnten UX-Strategie. Der Maßstab bleibt derselbe wie ohne KI: Ein Ergebnis muss zur konkreten Idee passen und nicht zum Durchschnitt aller ähnlichen Produkte.
Wann KI-augmentierte Workflows passen
Diese Arbeitsweise ist besonders nützlich, wenn:
- Ein Team bereits mit KI-Tools (Lovable, v0, Cursor) prototypt, aber das Ergebnis sich „fast richtig, aber nicht ganz" anfühlt
- Research-Transkripte und Notizen sich stapeln und die Synthese langsam ist
- Mehrere Design-Varianten schnell erkundet werden müssen
- Routine-Dokumentation (Komponenten-Docs, Barrierefreiheits-Spezifikationen, Übergabe-Notizen) Zeit kostet
- Ein Founder oder PM schnell vorankommen will, aber jemanden braucht, der den Unterschied zwischen schnell und gut erkennt
Weniger sinnvoll bei sehr kurzen Engagements, bei denen sich der Setup-Aufwand nicht rechnet, oder wenn das Produkt aus Compliance-Gründen keine KI zulässt. Für sensible Kontexte ist ein lokal laufendes LLM eine Option.
Wo KI konkret eingesetzt wird
Recherche mit Agenten: Ein Agent durchsucht Foren, Datenbanken und Herstellerseiten nach festen Kriterien und legt die Ergebnisse strukturiert ab. So sind die Schmerzpunkte für das Waschmaschinen-Konzept zusammengekommen, bevor die erste Skizze entstand.
Audits mit Agenten: Ein eigener Skill prüft eine Oberfläche gegen Usability-Heuristiken, ISO 9241-110 und WCAG, während der Agent selbstständig durch den Flow navigiert. Heraus kommt ein strukturierter Rohbericht, den ich gewichte, korrigiere und um meine eigenen Befunde ergänze.
Research-Synthese: Interview-Transkripte und Notizen werden nach Mustern geclustert und Themen herausgearbeitet. Das spart Tage an Kodierarbeit, die Deutung der Muster bleibt meine Aufgabe.
Prototypen im Code: Wenn Figma nicht reicht, entstehen lauffähige Prototypen in HTML, CSS und JavaScript, mit echten Daten und echtem Verhalten. Der Begründungs-Explorer der Waschmaschine und die Duft-Visualisierung sind so entstanden.
Vom Design zum Code: Über die Verbindung von Figma und Claude Code werden Komponenten und Design-Tokens direkt in Code übersetzt, ohne Umweg über Screenshots und lange Übergabe-Dokumente.
Dokumentation: Komponenten-Beschreibungen, Barrierefreiheits-Spezifikationen und Übergabe-Notizen entstehen parallel zum Design. Die KI liefert den Entwurf, ich die fertige Fassung.
Was enthalten ist
KI-augmentierte Workflows sind kein eigenständiges Deliverable, sondern Teil davon, wie ich in anderen Projekten arbeite. Konkret heißt das:
- Designprojekte in einem Bruchteil der Zeit, die rein manuell nötig wäre
- Mehr erkundete Optionen, bevor eine Richtung festgelegt wird
- Prototypen, die sich wie echte Software verhalten und mit Nutzer:innen getestet werden können
- Dokumentation, die mit dem Design kommt und nicht Wochen später
- Fundiertes Wissen darüber, wo KI hilft und wo sie in die Irre führt, verfügbar für die KI-Strategie des Teams
Falls ein Team lernen will, wie es KI im eigenen Designprozess einsetzen kann, lässt sich das als Workshop oder Mentoring arrangieren, siehe Mentoring.